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Aktuell Apr 2022

Fit for China

Startschuss für ein neues Columbus-Ausbildungsangebot an der VBS Akademiestraße

Am 19. April 2022 hatten die Schüler:innen des 3. und 4. Jahrganges Internationale Wirtschaft die Möglichkeit, im Rahmen eines ganztätigen Programmes zwei Module eines neuen Ausbildungsangebotes im Rahmen des Columbus Programmes zu absolvieren.

Die China-Kompetenz, die durch ein Zertifikat bestätigt wird, wird einerseits durch die Teilnahme an Vorträgen über die Themen Kultur/Kulturunterschiede, Ein- und Verkaufsprozesse, Vertriebsnetzaufbau, Leben und Arbeiten in China, Gesellschaft und politisches System, Bedeutung der Wirtschaft Chinas, neue Seidenstraße andererseits durch die Teilnahme an Sprachkursen gebildet. Zur Erlangung des vollen Zertifikates werden zusätzlich neben den an der Schule angebotenen Schnupperkurses kostenlose Sprachkurse am Konfuzius-Institut angeboten. Als Geschenk für die Schüler:innen, die das gesamte Programm absolvieren, winkt eine Einladung zu einer Reise nach China.

Der Direktor des Konfuzius-Institutes in Graz, Dr. Chen, brachte den Schüler:innen die chinesische Kultur näher. So wurde uns zur Einstimmung die Geographie des Landes gespickt mit Daten, Informatives über Sprache und Schrift, Fakten über die Bevölkerung und deren Entwicklung und ein kurzer Abriss von Geschichte, Sport, Teekultur, Malerei, Nudeln und Feng Shui nähergebracht. Um uns die Komplexität der chinesischen Kultur und Weltanschauung zu erklären, ging Dr. Chen intensiv auf den Konfuzianismus und den Daoismus (Laotse, z.B. Prinzip Yin und Yang) ein.

Fragen wie „Wie hat sich das BIP/Kopf in den letzten 10 Jahren verändert?“, „Warum hat gibt es im Palast in der verbotenen Stadt 9.999 Zimmer?“ , „Welche Farbe soll ein Geschenkpapier haben?“ oder „Wer hat die Nudeln erfunden?“ machen uns nun keine Schwierigkeiten mehr.

Ein zweiter Schwerpunkt des Tages waren die Unterschiede der österreichischen und chinesischen Kultur. Dazu ein paar Beispiele:

Die Chinesen verbringen ihr Leben gerne in großen Gruppen, z.B. Wohnen in Hochhäusern, Feste mit unzähligen Menschen, Gruppenhochzeiten, im Gegensatz dazu brauchen wir Österreicher Platz und einen gewissen Freiraum für uns.

Wir „Yes or no“-Sager verstehen das Prinzip des „sowohl-als auch“, den Mittelweg, der sich auch in der geschwungenen Linie des bekannten Yin Yang mit den zwei Punkten präsentiert, wohl nicht so einfach.

Helden sind nicht wie bei uns Einzelkämpfer sondern „Meister“, also Lehrer, die Schüler um sich scharen. Die Gruppe, sei es in der Familie oder bei Festivitäten, ist den Chinesen sehr wichtig.

Wir lernten, dass die drei wichtigsten Punkte der chinesischen Kultur mit den 3Gs zusammengefasst werden können: Gesicht wahren / Guangxi (ein Netzwerk aus persönlichen Kontakten auf einer Vertrauensbasis, das im Privat- und im Berufsleben nützlich ist) / Geduld

Nach einem Schnellkurs in Businesskultur (Geschenke, Visitenkarten, Sitzordnung, Zeitverständnis, Vertrauensaufbau, „Was bietet man chinesischen Geschäftsfreunden als Rahmenprogramm? Essen, Trinken, Shopping, Shopping, Shopping“), wurden wir getestet, wobei die Antworten zu Schmunzeln aber auch Kopfschütteln führten.

Interessant ist das Prinzip Chabuduo, das mit „fast ausreichend“, „gut genug“ oder „passt schon“ übersetzt werden kann und das im krassen Gegensatz zu unserer Sorgfalt und Perfektionismus steht. Dieses „ungefähr“ gilt auch für Termine!

Der dritte Schwerpunkt lag auf Beschaffung und Vertrieb in China. China, die zweitgrößte Wirtschaft der Welt, wurde als Big Player in vielen Bereichen wie u.a. PC und Telekommunikation dargestellt. Das Land verfolgt nun eine neue Strategie, weg von „made in China“ zu „made by China“, wobei billige Teile der Wertschöpfungskette in andere asiatische Länder abgesiedelt werden sollen. Im Gegensatz dazu fördert China gezielt einigen Bereichen wie z.B Informationstechnologie, high end equipment, Biotechnologie und sucht auch hier Kooperationen mit westlichen Ländern.

Auf Grund der Landesgröße ist es wichtig zu wissen, in welchen Regionen welche Industrien angesiedelt sind und wie man mit dortigen Unternehmen Kontakte knüpfen kann. Im Bereich des E-Commerce wurde auf die Wichtigkeit der Qualitätskontrolle und die trotz allem notwendige Beziehungspflege zu Lieferanten hingewiesen. Die verschiedenen Formen der Beschaffungsorganisation bis hin zur eigenen Supply Base im Land wurden erläutert. Im letzten Teil wurden die wichtigsten Markteintrittsvarianten und Distributionskanäle in China vorgestellt.

Interessant waren die Beispiele, in welcher Form Produkte an den chinesischen Markt angepasst werden müssen, vom Produktnamen bis zur Verpackungsgestaltung (z.B. Farben haben eine eigene Bedeutung).

Der steigende Wohlstand, auch ausgedrückt im stetig wachsenden BIP/Kopf, und die Größe machen das Land als Absatzmarkt attraktiv. Die neu geförderten hoch technologisierten Bereiche in Verbindung mit der globalen Infrastruktur, ein Teil davon die Neue Seidenstraße, sind als großer Beschaffungsmarkt der Zukunft interessant.

Gemäß der Lebensfreude des chinesischen Buddhismus erfreuten sich die Schüler:innen in den Pausen an einem Fußballspiel mit Federbällen (der Sieger im Gaberln war eindeutig Konstantin S. aus der 4CK!) und einem Scherenschnitt des Symbols für Frühling, der höchste Konzentration und Geschicklichkeit erforderte.

 

Prof. Sandra Weiser

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